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Tenor steckt im Schafspelz

Ruhrnachrichten, 3.4.2001

Textil-Studenten nähen Kostüme für Unichor-Aufführungen von „Acis und Galatea“

Richtig glücklich sieht Daniel Krämer nicht aus. Sein Hirtenkostüm sitzt noch nicht perfekt, die Schaf-Fell-Jacke rutscht, die Hose auch, und durch die Schafskopf-Maske kann der Tenor nichts sehen. Außerdem sind die Ohren verbogen. „Aber es fühlt sich angenehm an. Allerdings habe ich noch nicht in den Spiegel geguckt“, lobt der Sänger aus dem Unichor und lässt sich bereitwillig von Textil-Studentin Wiebke Schrenk an den Bändern, die seine Hose halten, herumzupfen.

Unichor-Leiter Reinhard Fehling hatte die Idee, dass angehende Textil-Lehrer die Sänger seines Chores für die Aufführungen der Händel-Oper „Acis und Galatea“ mit Kostümen ausstaffieren. Auch ein Bühnenbild haben die Studenten entworfen und gebaut. Zu sehen ist es bei den Konzerten am 9. Mai im Audimax und am 12. Mai im Rathaus.

Im Kompaktseminar unter Leitung von Barbara Schimmel entstehen in dieser Woche 30 Damen- und 18 Hirtenkostüme sowie vier aufwändige Rohen für die Solisten. Diese fertigen Studenten, die damit ihre fachpraktische Prüfung ablegen.

„Die Kräuselei war schwierig“, erzählt Wiebke Schrenk. Mit dem Hirtenkostüm hat sie ihre ersten Erfahrungen an der Nähmaschine gesammelt: „Vorher hatte ich mir nur mal ein T-Shirt genäht“. „Meine Oma hat mir geholfen“, berichtet Hilde Brandt aus dem 2. Semester und nestelt weiter am Nesselstoff vom Kleid von Sopranistin Astrid Schöne. Ihr scheint das leinenfarbige enge Kleid, das noch blau bemalt wird, bequem.

Daniel Krämer rücken Dozentin und Studentin inzwischen mit Ideen für Druckknöpfe, Naht- und Gummibänder zu Leibe. „Für die Hose ist er ja viel zu dünn und das Hemd rutscht nach hinten, wenn die Jacke dran festgesteckt ist. Dann steht er halb nackt da“, kritisiert Barbara Schimmel. Der Tenor ist froh, dass der Chor die Oper auswendig singt. Noten könnte er mit seinen ausladenden Ärmel schwer in der Hand halten.

Eine kniffelige Näharbeit hat Angela Vogt in den Händen: Sie näht das Kostüm des Polyphem, ein Gewand mit vielen schwarzen „Warzen“. „Das ist frickelig. Er soll ja hässlich und gefährlich rüberkommen“, stöhnt sie. Versierter ist Stefani Lenders. Sie ist gelernte Herrenschneiderin und freut sich: „Nach vielen strengen Anzügen endlich mal eine fantasievolle Arbeit.“ · JG

 

Ereignis „Acis und Galatea“

WR, 8.5.2001

Reinhard Fehlings erste Oper wird auch in Kamener Studiobühne aufgeführt

Kamen. Mit der ersten Opernaufführung der Uni Dortmund stellt Reinhard Fehling ein Produkt an seiner alten Wirkungsstätte, der Carlo Schmid-Gesamtschule Kamen, vor: Gemeinsam mit der Gesangspädagogin Maria Friesenhausen inszenierte er das Pastoral „Acis und Galatea“.

Das Pastoral aus der Feder Georg Friedrich Händels handelt von der Liebe der Göttertochter und Nymphe Galatea zu dem Hirten Acis, die von dem rohen und - durch seine unbeholfene Art - lächerlichen einäugigen Riesen Polyphem eifersüchtig bedroht wird. Rasend vor Wut erschlägt Polyphem seinen Nebenbuhler schließlich mit einem Felsen. Galatea entsinnt sich ihrer göttlichen Zauberkräfte und verwandelt den toten Acis in einen lebendigen Quell.

Die Hauptrolle der Galatea wird von der Kamenerin Karin Lindemann verkörpert, zeitweilig auch Mitglied der Kamener „Letzten Heuler“. Ihr Partner ist Georg Poplutz als Acis. In den weiteren Hauptrollen agieren Christian Walter (Polyphem) und Simone Koerdt (Damon). Herzstück der Inszenierung ist der 50-köpfige Universitätschor Dortmund, den Fehling seit seiner Berufung leitet. Dieser tritt - wie die Solisten - in aufwendigen Kostümen auf, die von Barbara Schimmel und etlichen StudentInnen des Instituts für Textilgestaltung an der Dortmunder Uni als Bestandteil ihrer fachpraktischen Prufüng gestaltet wurden. So wurde ein Projekt realisiert, das vom ersten Ton (auch ein 20-köpfiges Kammerorchester wurde eigens für dieses Ereignis gegründet) bis zum letzten Nadelstich ausschließlich auf die Fähigkeiten der Studenten setzt.

Mit welchem Erfolg, das ist am morgigen Mittwoch, 9. Mai, im Audimax der Uni Dortmund, am Samstag, 12. Mai, im Foyer des Rathauses der Stadt Dortmund und am Sonntag, 13. Mai, in der Studiobühne der Kamener Gesamtschulen zu sehen, und zwar jweils um 20 Uhr. Die Eintrittspreise liegen bei 12 D-Mark bzw. 5DM für Schüler, Studenten, Auszubildende etc.

 

Prunkvolle Kostüme in Händel-Oper

Ruhrnachrichten, 11.5.2001

Unichor sang „Acis und Galatea“

So prunkvoll ausgestattet wie der Universitäts-Chor in seiner halbszenischen Aufführung von Händels Oper „Acis und Galatea“ am Mittwochabend im Audimax sind Opernchöre nur selten.

In türkis-weiße Nymphengewänder haben Studentinnen der Textilgestaltung (Projektleitung: Barbara Schimmel) die Chordamen gehüllt und Tenöre und Bässe in Schafspelze gesteckt. Hübscher Gag: Beim Aufmarsch des Chores trugen die Männer Schafsmasken. Seit April haben die Studentinnen an den aufwendigen Roben gearbeitet und auch ein idyllisches Bühnenbild ins Audimax gebaut: Ein grünes Tal, in dem am Schluss aus dem vom Riesen Polyphem getöten Acis eine Quelle entspringt und sich als Fluss der Liebe aus blauem Tuch über die Bühne ergießt Die Solistenroben sind Examensarbeiten.

Musikalisch war die Aufführung ein ehrgeiziges Projekt. Die vier solistischen Partien der Schäferoper hat Unichor-Leiter Reinhard Fehling Lehramtsstudierenden aus höheren Semestern anvertraut, die ihre fachpraktische Prüfung Gesang machen. Ausgezeichnet meisterte Karin Lindemann als Galatea (Kostüm: Stefanie Bolwin) diese anspruchsvolle Aufgabe. Stimmlich wirkte sie recht souverän und zeigte sich auch spielfreudig, war eine kokette Verführerin. Georg Poplutz legte den Acis (Kostüm: Stefani Lenders) lyrisch-sehnsuchtsvoll an, Christian Walter war als Polyphem (Kostüm: Angela Vogt) ein nicht allzu grimmiges Monster. Etwas überfordert schien Simone Coerdt als Hirte Damon (Kostüm: Kristin Karcher).

Es ist bedauerlich, dass Händel dem Chor nicht mehr Nummern eingeräumt hat. Sehr gut einstudiert hatte Fehling das Werk mit den 50 Sängern. Zu schönen, angemessen idyllischen Klangbildern fand der Chor mit weichem Ton. Das Publikum profitierte davon, dass er auswendig sang und mit kleinen szenischen Einlagen das Geschehen kommentieren konnte.

Aufmerksam, manchmal etwas zu spitz im Ton, spielte ein Kammerorchester aus Studierenden. Mit dem Abend im Audimax verabschiedete der Chor den Musikwissenschaftler, Prof. Martin Geck, an seinem letzten Arbeitstag.

Eine weitere Aufführung beginnt am Samstag (12.5.) um 20 Uhr im Rathaus. · JG

 

Metamorphosen bleiben mobil

WAZ, 11.5.2001

Studenten bringen das Händel-Werk auf die Bühne - Weitere Gastspiele

Welcher Lateinschüler kennt sie nicht, die Geschichte von Acis und Galatea aus den „Metamorphosen“ von Ovid? Dem humanistisch weniger beflissenen Zeitgenossen dürfte die musikalische Fassung von Georg Friedrich Händel eingängiger erscheinen.

Am Mittwoch konnten die Hörer dieses Bühnenwerk unter der Leitung von Reinhard Fehling im Audimax sehen. Es waren vor allem Schulmusikstudenten, die diese Aufführung zustande brachten Die Abteilung für textiles Gestalten hatte für die Aufführung einfallsreiche Kostüme geschneidert und die Nymphen in blau-weiße Gewänder gehüllt, die Hirten mit Schaffellen und Schafköpfen versehen. Sehr gut hatte man das Problem des einäugigen Riesen gelöst, der sein einzelnes (Papp-)Auge überdimensional groß auf seiner Kopfbedeckung trug.

Sehr erfreulich die Leistung des Universitätschors, der sauber und klar intonierte. Ausbaufähig hingegen die Intonation beim begleitenden Kammerensemble. Georg Poplutz als Acis überzeugte mit lyrischer Tenorstimme und sehr deutlicher Textartikulation. Herausragend Karin Lindemann als Galatea, die ihre zarte Sopranstimme sauber führte, über eine klare Textdiktion verfügt und auch ansprechend darstellte.

Die technischen Mittel im Audimax sind natürlich beschränkt doch dem Einfallsreichtum sind kaum Grenzen gesetzt: So wurde der Quell, in den Galatea ihren getöteten Geliebten verwandelt, durch eine scheinbar endlos lange blaue Stoffbahn angedeutet. Die Beleuchtung „hinkte“ zwar manchmal hinter der Musik her, doch auch hier spielte man die vorhandenen technischen Möglichkeiten aus. Die Produktion hat nämlich noch ein weiteres Kriterium zu erfüllen: Sie muss leicht transportabel sein, denn am Samstag ist sie um 20 Uhr im Rathaus zu sehen, am Sonntag, ebenfalls um 20 Uhr, auf der Studiobühne der Gesamtschule Kamen. · MLG

 

Wenn Studenten Leistung anerkennen, wird richtig gejubelt

WR, 11.5.2001

Im vollbesetzten Audimax der Universität wurde die erste „all students opera“ nach vielen, vielen Fleißstunden aufgeführt

Von Charlotte Strothmann

Am Anfang stand die Idee, dann kam der Fleiß. Die Studenten der Universität Dortmund führten im vollbesetzten Audimax ihre erste „all students opera“ auf.

Die Oper „Acis und Galatea“ von Georg Friedrich Händel ist als solche noch nicht aufgeführt worden. Die Studenten hatten ein Pastoral in eine Oper umgewandelt. Das war gewiss ein hartes Stück Arbeit. Es waren ja keine Profis am Werk. Wer einmal Musiklehrer werden will, musste sich erproben.

Studentinnen als Kostümgestalter mussten sich bewähren. Und da gab es viele Überraschungen. Die blau-weißen Kleider waren für die Nymphen, die Hemden für die Hirten. Die prächtigen Kostüme gab es für die Solisten.

Wieder einmal geht es um Liebe, Eifersucht und Tod. Karin Lindemann, Galatea und Georg Poplutz, Acis waren das Liebespaar, Christian Walter der Polyphem und Simone Coerdt Damon. Vierfache Solistenaufgaben, die nicht gerade leicht waren. Wenn man bedenkt, dass hier keine Gesangsprofis auf den Brettern, welche die Welt bedeuten, standen, dann war es eine beachtliche Leistung.

Die Einfachheit der Musik und die vielen Rezitativen herrschten vor und belegen keinen Anspruch auf „Dramatisch“. Die allgemeine Menschlichkeit steht im Vordergrund. Der musikalische Ablauf gipfelt in stets gleichbleibenden Dacapoarien.

Nur das Licht fehlte

Eine enorme Gedächtnisleistung absolvierten die beiden Hauptpersonen, die den vielen Text bewältigen mussten, was ihnen auch nahtlos gelang. Sängerisch muss man bei Laienaufführungen einige Abstriche machen... Aber es wurden gut klingende Stimmen eingesetzt. Was fehlte war Licht. Alles blieb ein wenig dunkel, so dass die Zuschauer schon sehr genau hinsehen mussten, um sich an den schönen fantasievollen Kostümen erfreuen zu können.

Die Weite der Bühne war schon ein wenig eingeengt worden. Dennoch war es nicht leicht, mit dem seitlich postierten Orchester und vor allem dem Dirigenten Augenkontakt zu halten. Reinhard Fehling leitete die Aufführung mit dem kleinen, mit viel Frische musizierenden Studentenorchester. Der Chor war erprobt im Chorgesang und sang entsprechend sicher und gab durch schöne Stimmen harmonischen Einklang. Nur Studenten können wohl so jubeln, wenn es gilt, Leistung an zuerkennen.

 

Mut zum Widerspruch als Quell der Liebe

WR, 15.5.2001

Fehling-Aufführung der Oper „Acis und Galatea“ beeindruckte in allen Facetten

Kamen. (ti) Hätte Meister Georg Friedrich sein Ohr am Sonntag in die Studiobühne gehalten, gestaunt hätte er ob der 50-fachen Verjüngung. Verjünglichung und der goldigen Geliebten dass es sich bei der „all-students opera“ allerdings um seinen rund 300 Jahre alten Opernknüller „Acis und Galatea handelte, darüber hätte er vermutlich eher die Händel über dem Kopf zusammen geschlagen.

Ouvertüre der Glückseligen mit Reinhard Fehling, dem studentischen Kammerorchester und dem Chor der Universität Dortmund: Viel barockes Streicher und Bläser-Idyll öffnete Tür und Tor für Nymphen und Hirten – und eine Geschichte, die als Helden nur die Liebe braucht. Inhaltlich angelehnt an Ovids Metamorphosen erzählt sie von der Göttertochter Galatea (gesungen von einer volltönenden Karin Lindemann) und dem Hirten Acis (mit dem lyrischen, Brüche zulassenden Tenor von Georg Poplutz optimal besetzt), die nicht etwa trotz, sondern gerade wegen zahlreicher Verwandlungen als Paar zueinander halten können.

Polyphem, halb Monster, halb liebenswerter Tollpatsch (Der charakterlichen Doppelgestalt konnte Darsteller Christian Walter voll gerecht werden) verliebt sich unsterblich in Galatea. Er stachelt den eher schwächlichen Acis zum Kampf auf. Der lässt sich, obwohl ihn der oberlehrerhafte Damon (Simone Coerdt) doch vor dem riskanten Unterfangen warnt, auf einen Kampf ein – den er mit dem Tod, sprich der Verwandlung in einen Felsblock bezahlt.

Damit scheint das Paar verloren – wenn Galatea nicht mit der göttlichen Gabe ausgestattet wäre, Unsterblichkeit zu verleihen. Sie Acis in einen rauschenden Quell – und schenkt so nicht nur ihrer Zweisamkeit, sondern auch ihrer Umgebung neues Leben.

Die Aufführung von Georg Friedrich Händels „Acis und Galatea“ beeindruckte nicht nur durch geschmackvoll gestaltete Kostüme und Kulissen, ausdrucksstarke Darsteller und ein gut vorbereitetes Ensemble. Gerade in der musikalischen Interpretation bestach bei pastoraler Grundstimmung der Mut zum Widerspruch – dem nie versiegenden Quell im Frühling der Liebe.

 

Brennende Liebe und rasender Hass

Hellweger Anzeiger, 16.5.2001

KAMEN · Heiß ist die Liebe der Göttertochter Galatea zum Hirtenjungen Acis entflammt, mit glühender Eifersucht beobachtet der massige Riese Polyphem durch sein einziges Auge das liebreizende Tete-a-Tete. Und wohl wissend, dass er mit seiner plumpen Lächerlichkeit für die anmutige Nymphe bestenfalls ein schlechter Witz ist, erschlägt der liebeskranke Gigant schließlich, rasend vor Wut, den Nebenbuhler mit einem Felsen. Jedoch entsinnt sich Galatea ihrer göttlichen Zauberkräfte – und verwandelt den toten Geliebten in einen sprudelnd-lebendigen Quell...

In der Hauptrolle der Göttertochter brillierte bei der Opernaufführung „Acis und Galatea“ am Sonntag in der Gesamtschule die Kamenerin Karin Lindemann, zeitweilig auch Mitglied der hiesigen „letzten Heuler“. An ihrer Seite als „Acis“: Georg Poplutz. In weiteren Hauptrollen begeisterten Christian Walter als Polyphem und Simone Coerdt als Damon. Herzstück der Inszenierung war jedoch zweifelsfrei der 50-köpfige Universitätschor Dortmund, den Reinhard Fehling – mit der ersten Opernaufführung der Uni Dortmund an seine alte Wirkungsstätte, die Gesamtschule Kamen, rückgekehrt – seit seiner Berufung leitet. · sia

 

Universitätschor führt seine erste Oper auf

Unizet, 06/2001 (Nr. 331)

Fesselnde Schäferstündchen mit Acis und Galatea

Das war eine Premiere in mehrfacher Hinsicht: Am Mittwoch, dem 9. Mai, erlebte das Audimax, in dem für gewöhnlich „Zahlen und Figuren“ das (Tafel-)BiLd bestimmen, seine erste Opernaufführung mit Georg Friedrich Händels Pastoral „Acis und Galatea“. In ihr präsentierte sich auch der 50-köpfige Universitätschor zum ersten Mal mit einem repräsentativen Musikwerk unter seinem neuen Dirigenten Reinhard Fehling. Neu in diesen Dimensionen war auch die künstlerische Kooperation des musikalischen Leiters mit der Gesangspädagogin Prof. Maria Friesenhausen, der die Solistenbetreuung oblag, und der für die Personenführung zuständigen Gesamtschullehrerin Annette Möllers.

Erfolgreich lief die Kooperation zwischen den beiden beteiligten Instituten. Barbara Schimmel, Leiterin des Instituts für Textilgestaltung, war verantwortlich für die Ausstattung von Bühne, Kostümen, Requisiten und Masken. Ihre Studierenden erbrachten damit einen Teil ihrer fachpraktischen Studienleistungen im bedarfsorientierten Bereich. Die Bühne, von einem künstlich hellgrünen gerafften Stoff umhüllt, glich in ihrer Gestalt einer Mischung aus barocker Freitreppe und einer Landschaft mit Felsen (Bühnenmodell Alexandra Bialke).

Zwei Semester lang wurde entworfen, gemessen und genäht: Weißgekleidete Sänger, denen das (Schaf-)Fell über die Ohren gezogen wurde, Chorsängerinnen als (Wellen)Schaumgeborene, in blaue Schleier gehüllt, an den Hüften barocke Wasserröhren, die ins Azurblaue ausliefen. Die Solisten trugen charakteristische Gewänder: Galatea, im Gegensatz zu den weißblauen Perücken ihres Nymphengefolges von Stefani Bolwin mit goldener Perücke ausgestattet, Acis, in seinem wasserblauen Gewand sein Schicksal ankündigend, von Stefani Lenders liebevoll mit goldenem Brustpanzer versehen, Polyphem, von Angela Vogt als feurig rot-schwarzer Wildling mit einäugigem Riesenhaupt gestaltet, und Damon von Kristin Karcher in pädagogischem Beige mit barocken Rüschen.

Es war ein eindrucksvolles und stimmiges Bild, was sich da den Zuschauern bot, in sanfter Steigerung bis hin zur anrührenden Schluss-Szene, wo der vom eifersüchtigen Riesen Polyphem ermordete Acis, von Galatea zum Quell verwandelt, sich in schier endlosen Bahnen blauen Tülls über den gesamten Bühnenraum ergießt.

Interdisziplinäre Erfahrungen machten die Ausstatter in der Berücksichtigung der körperlichen Bedürfnisse der Sän ger. Bei der Gestaltung der Kopfbedeckungen mussten z.B. die Ohren freigehalten werden. Eine Herausforderung stellte auch die erstmalige Bekleidung fremder Körper dar. Dabei entstanden neue Fragen nach Handlungsformen und Ausdrucksformen, die den Entstehungsprozess im Zusammenhang mit der Forschung zur Gestaltungstheorie des Faches Textilgestaltung besonders interessant werden ließen.

Auch der Universitätschor hatte sich langfristig auf seine Aufgabe vorbereitet. Mit deutlicher Artikulation, elastischer Phrasierung und sauberer Intonation hat sich hier ein Ensemble vor gestellt, das für die Zukunft einiges erwarten lässt. Die Leistung ist umso erstaunlicher, als beileibe nicht nur Musikstudierende mitwirkten, sondern Studierenden unterschiedlicher Fachrichtungen. So gesehen war auch das Stück eine gute Wahl. Anspruchsvoll, aber nicht zu schwer, kann es besonders gut von jungen Ensembles verkörpert werden, die wie der Universitätschor den Zug von Frühling und frischer Liebe, der über allem liegt, zu akzentuieren vermögen. Auch die Solisten, sämtlich Studierende der Universität Dortmund, trugen das Ihre zur wohlverträglichen Leichtigkeit der Aufführung bei: Karin Lindemann als Galatea zog alle Register musikalischen Charmes, aber auch die nötige abweisende Nachhaltigkeit dem grobschlächtigen Riesen gegenüber stand ihrer vielseitigen, voluminösen Stimme zu Gebote. Georg Poplutz, „der holde Acis“, ein Tenor zum Liebhaben, mit schlanker, lyrischer, dem barocken Tonfall schön entsprechender Stimme, hatte seine schwärmerischen Liebes-Highlights mit Applaus auf offener Szene, konnte aber genauso gut den sechzehnjährigen Jüngling geben, der im Kampf mit dem Riesen seine wunderschönen Hosen voll hat. Polyphem, das Monster, Ätna und Tollpatsch zugleich, fand seine Reinkarnation in Christian Walter, einem im studentischen Tagwerk arglos-sympathischen jungen Mann, der sich offenkundig ohne Schwierigkeit in einen Finsterling verwandeln kann: Erzkomödiantisch, Bosheit mit Hilflosigkeit verbindend, und mit großem, aber nuanciertem Organ, sorgte er für die nötige „action“ im sanft dahin fließenden Schäferspiel. Simone Coerdt als Acis' Hirtenkollege Damon hatte die vom Textautor John Gay vorgegebene undankbare Aufgabe, alles schon vorher und besser zu wissen. In einem derart uninteressanten Leben ist der pädagogische Zeigefinger unersetzliches Requisit, umso erstaunlicher aber sind die schönen Melodien, die Händel dieser Rolle zugewiesen hat und die von der Solistin mit knabenhafter Stimme wohlklingend ausgesungen wurden.

Das für diese Aufführung eigens gebildete Projektorchester bestand gleichfalls aus Studierenden, die in kurzer Zeit zu einem beachtlichen Ensemble zusammengewachsen waren.

Für sie alle gab es stehenden Applaus und ein Meer voll Blumen. Mit einer Zugabe von „Happy we“, diesmal in englischer Originalsprache, entließ der Chor sein begeistertes Publikum in eine laue Maiennacht.

 

Nymphen und Hirten

InDOpendent

InDOpendent war hinter den Kulissen der Opernaufführung Acis und Galatea

Haarspraygeruch erfüllt die Räume des Audimax. Nervös kramen Studierende in ihren Handtaschen, fischen eine Haarklammer nach der anderen heraus und stecken sie hektisch ins Haar. Statt Informatik-Vorlesung ist Barock-Oper angesagt. „Acis und Galatea“ von Georg Friedrich Händel hatte am 9. Mai im Audimax Premiere. In zwei Stunden geht der Vorhang auf. „Noch hält sich die Aufregung in Grenzen“, verrät Julia Vogt. Geduldig lässt sie sich von Anna Hildebrandt eine blau-weiße Stoffperücke auf den Kopf setzen und mit Klammern befestigen. Was noch ein bisschen wie Medusa in Nike-Schuhen und Khakis aussieht, soll später als singende Nymphe im Uni-Chor auf der Bühne stehen und Acis und Galateas dramatische Liebesgeschichte besingen.

„Wir wollten etwas Innovatives machen“, sagt Reinhard Fehling, Dirigent des Uni-Chors und Gesamtleiter des Projekts. Zusammen mit Maria Friesenhausen, Professorin für Musik an der Uni Dortmund, sei vor eineinhalb Jahren die Idee zur „all students-opera“ entstanden. „Reinhard Fehling erzählte mir von seiner Überlegung, die eigentlich statische Händel-Oper mit Studenten szenisch auf die Bühne zu bringen“, berichtet die Gesangspädagogin. Aus der Idee wurden konkrete Pläne, um das ehrgeizige Projekt umzusetzen. Die vier Solisten, allesamt Musikstudierende oder frisch Examinierte, wurden von der Professorin betreut. Insgesamt waren 103 Studierende aus unterschiedlichen Fachbereichen daran beteiligt.

Barbara Schimmel, Dozentin für Kunst und Textilgestaltung entwarf mit ihren Studierenden die Kostüme, Requisiten und die Bühne. Auch für die Maske war sie zuständig.

Mittlerweile ist es nur noch eine halbe Stunde, bis die Nymphen und Hirten ihre ersten Takte singen.

Zwischen schwerbehängten Garderobenstangen türmen sich Rücksäcke. Bevor es ernst wird, schminken Studentinnen die Darsteller. Nymphen tragen blauen und grünen Lidschatten auf. Hirten betrachten sich kritisch im Handspiegel. Einige tauschen Wimperntusche und Rouge. Zwischendurch werden Äpfel und Schokolade ausgepackt. Ersteres macht angeblich die Stimmbänder geschmeidig. Von Schokolade weiß man, dass sie bei Aufregung kleine Wunder wirken kann. Ihre trockenen Kehlen befeuchten sich die Darsteller mit Ayurveda- oder Pfefferminz-Tee. Salbei-Bonbons machen die Runde. Schluckauf wird mit Wasser bekämpft, Lampenfieber mit Scherzen überspielt. Unterdessen nehmen sich die nach und nach eintrudelnden Chormitglieder die mit Edding beschrifteten Plastiktüten von den Garderobenstangen. Was da in den Tüten fein säuberlich zusammengelegt auf den großen Auftritt wartet, ist Maßarbeit. Jeder einzelne Darsteller hat sein eigenes, maßgeschneidertes Bühnen-Outfit. 20 Hirtenkostüme mit Schafsmasken, 31 Nymphenkleider und ein Zyklopenkostüm für den wilden Polyphem. „Von den 30 Studentinnen, die geschneidert haben, hatten die meisten keine Erfahrung damit, einen fremden Körper zu bekleiden. Eine Herausforderung für alle“, weiß Schimmel, die schon oft bei Filmproduktionen als Bühnen- und Kostümbildnerin mitgewirkt hat.

Das Solistenquartett mit Karin Lindemann (Galatea), Georg Poplutz (Acis), Christian Walter (Polyphem) und Simone Coerdt (Damon) wurde von Textilgestalterinnen ausgestattet, die damit ihre fachpraktische Prüfung ablegen konnten.

Fünf Minuten vor dem Auftritt herrscht bei den Solisten höchste Konzentration. Sie werfen sich hin und wieder ein angespanntes Lächem zu. Während die Nymphen ihre Schleier zurechtzupfen, knöpfen die letzten Hirten ihre Hemden zu und stülpen sich die Schafsmasken übers Gesicht. Scheinbar ausgelassen wird gescherzt, von hinten zur Ruhe ermahnt, ein Ton angestimmt, tief Luft geholt. Im Audimax beginnt das Publikum dem Kammerorchester für die Ouvertüre zu applaudieren. Der Augenblick ist gekommen. Es geht raus, auf die Bühne. Merjam Wakili

 
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